Shar Pei

Der größte Abnahmefall der steirischen Tierschutzgeschichte erschüttert die Steiermark

93 Hunde. Zahlreiche Welpen. Tiere mit schweren gesundheitlichen Problemen, ohne Sozialisierung und ohne jemals ein normales Hundeleben kennengelernt zu haben. Was wir bei zwei behördlichen Einsätzen in einer steirischen Zuchtstätte vorgefunden haben, hat selbst erfahrene Tierschützer:innen tief erschüttert.
Es handelt sich um den größten dokumentierten Abnahmefall in der Geschichte des steirischen Tierschutzes. Besonders erschreckend dabei: Die Hunde stammen nicht aus einem illegalen Welpentransport aus dem Ausland, sondern aus einer inländischen Zucht.

Hunde wie Ware gelagert

Am 26. Februar und am 18. März wurden insgesamt 93 Hunde der Rasse Shar Pei aus der Haltung geholt. Bereits bei der ersten Abnahme entdeckten wir 73 Tiere darunter zahlreiche Mutterhündinnen und Welpen. Weitere 20 Hunde folgten einige Wochen später.

Das Bild vor Ort war erschütternd. Über das gesamte Grundstück verteilt standen Zwinger, Boxen und Käfige in allen Stockwerken, sogar am Dachboden. Die Tiere lebten isoliert und eingesperrt fernab jeder artgerechten Haltung.
Die Hunde wurden dort nicht als Lebewesen gehalten, sondern wie Ware gelagert bereit für den Verkauf.

 

Die Sicherstellung selbst war ein logistischer Kraftakt. Allein beim ersten Einsatz waren 25 Personen und acht Fahrzeuge bis tief in die Nacht im Einsatz, um die Tiere in Sicherheit zu bringen.

Schwere gesundheitliche Schäden

Besonders dramatisch zeigt sich der Gesundheitszustand vieler Hunde. Zahlreiche Tiere leiden unter massiven Problemen an den Augen ein bekanntes Problem bei Qualzuchten wie dem Shar Pei.
Bei vielen Hunden drehen sich die Augenlider nach innen, wodurch die Wimpern dauerhaft auf der Hornhaut reiben. Die Folge sind chronische Schmerzen, Entzündungen und schwere Verletzungen.

Das Ergebnis der tierärztlichen Untersuchungen ist erschütternd:

Die medizinische Versorgung dieser Tiere verursacht enorme Kosten. Spezialfutter, Medikamente, Operationen und die tägliche Betreuung stellen uns weiterhin vor große Herausforderungen.

Ein Leben ohne Nähe und Alltag

Doch nicht nur körperlich tragen die Hunde schwere Folgen ihrer Vergangenheit.

Viele Tiere weisen gravierende Sozialisationsdefizite auf. Spaziergänge, Umweltreize oder alltägliche Situationen sind ihnen völlig fremd. Viele reagieren panisch oder ängstlich auf neue Eindrücke und sind außerhalb geschützter Bereiche schnell überfordert.
Besonders traurig ist, dass manche Hunde nicht einmal auf ihren Namen reagieren weil sie nie einen hatten. Stattdessen wurden Nummern oder Buchstabenkombinationen verwendet.

Viele dieser Tiere haben nie gelernt, eine enge Bindung zu Menschen aufzubauen. Sie kannten weder Struktur noch Zuneigung oder Sicherheit.

Erste Schritte in ein neues Leben

Trotz allem gibt es inzwischen auch Hoffnung.
Die Hunde erleben nun erstmals Ruhe, Sicherheit und Fürsorge. Schritt für Schritt lernen sie, was ein normales Hundeleben bedeutet.

Mittlerweile dürfen die ersten Hunde bereits vermittelt werden sobald sie gesundheitlich stabil und bereit für ein neues Zuhause sind. Für viele beginnt damit zum ersten Mal die Chance auf ein liebevolles Leben.

Doch die Herausforderung bleibt enorm.
Die Unterbringung und Versorgung von über 70 Hunden über mehrere Monate hinweg bedeutet für uns eine emotionale, organisatorische und finanzielle Belastung im hohen fünfstelligen Bereich. Dazu kommen die intensive Betreuung der Mutterhündinnen und Welpen sowie laufende medizinische Behandlungen.

Jede Unterstützung hilft

Dieser Fall zeigt auf erschreckende Weise, welche Folgen unkontrollierte Zucht und fehlende Verantwortung haben können.

Umso wichtiger ist es, hinzusehen und Tierschutzorganisationen zu unterstützen, die täglich alles dafür geben, diesen Tieren eine zweite Chance zu ermöglichen.

Jede Spende hilft uns dabei, medizinische Versorgung sicherzustellen, Futter bereitzustellen und diesen Hunden Schritt für Schritt ein Leben näherzubringen, das sie bisher nie kennenlernen durften.

Denn jedes einzelne dieser Tiere verdient mehr als ein Leben hinter Gittern.

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